Online-Veranstaltungsreihe zur Demenzprävention: Risikofaktor Sinnesbeeinträchtigungen im Alter

Der erste Teil unserer 4-teiligen Online-Veranstaltungsreihe zur Demenzprävention stieß auf großes Interesse und wurde von Marion Hofmann (Präventionsprogramm Sehen) & Thilo Hohmeister (Präventionsprogramm Hören) der Blindeninstitutsstiftung sehr kenntnisreich und kurzweilig gestaltet.

Die Referierenden stellten uns zu Beginn die (hohen) Prävalenzen (Hörbeeinträchtigungen ca. 71 % der 75-79-jährigen, Sehen ähnliche Zahlen) der beiden Sinnesbeeinträchtigungen vor und verdeutlichten dann die Funktionen und die Auswirkungen von deren Einschränkungen. Herr Hohmeister verdeutlichte, dass das Hören neben der Kommunikation auch eine sozial-emotionale Funktion (Erkennen bspw. von Ironie und Sarkasmus) und eine Orientierungsfunktion (z.B. das Richtungshören) hat. Frau Hofmann verdeutlichte, dass Seheinschränkungen auch Auswirkungen auf das Gleichgewicht, die Sturzneigung und die Aktivität generell haben. Beide Sinnesbeeinträchtigungen erschweren die Kommunikation, können zu Missverständnissen und durch Umgehen dieser Situationen zu Rückzug, reduzierter Teilhabe am Leben und einem erhöhten Depressionsrisiko führen.

Die Erkrankungen verlaufen in der Regel schleichend und ohne Schmerzerleben, was die frühzeitige Inanspruchnahme von Hilfen erschwert. Zudem sind das Seh- und Hörvermögen im Alter häufig situations- und tagesformabhängig

Danach gingen beide auf den Zusammenhang mit demenziellen Erkrankungen ein und verdeutlichten, dass Sinnesbeeinträchtigungen die Symptome einer Demenz verstärken können und auch Risikofaktor (Lancet-Report: Hören 7%, Sehen 2%) dafür sind. Da sich die Symptome von dementiellen Erkrankungen und Sinnesbeeinträchtigungen ähneln, ist eine sorgfältige Differenzialdiagnosen wichtig. Die Referierenden sprachen sich ausdrücklich für regelmäßige Vorsorgebesuche ab dem 40. Lebensjahr aus (einmal jährlich zum Augen- und zum HNO-Arzt), denn eine frühzeitige Versorgung mit Hilfsmitteln ist die beste Prävention

Im Weiteren wurden Möglichkeiten im Rahmen der Seh- und hörgerechten Barrierefreiheit vorgestellt. Beim Hören sind dieses u.a. Schallschutzdecken oder -elemente sowie das Abstellen unnötiger Nebengeräusche (laufendes Radio etc.) Für das Sehen ist es wichtig, Kontraste zu erhöhen und Räume gut auszuleuchten.

Frau Hofmann stellte abschließend goldenen Regeln im Umgang mit der Sinnesbeeinträchtigung Sehen vor: Sie empfahl Abläufe stetig zu erklären, die Umgebung zu beschreiben, Berührung anzukündigen, die Betroffenen mit Namen anzusprechen und Behutsamkeit beim Schieben von Rollstühlen. 

Herrn Hohmeister war es für hörbeeinträchtigte Menschen wichtig, dass Blickkontakt hergestellt wird zur Verdeutlichung des Gesagten, Themen im Gespräch immer wieder benannt und dabei wichtige Inhalte wiederholt werden. Deutliche und angemessen laute Sprache ist gut, es sollte jedoch auf gar keinen Fall geschrien werden! Das wirkt aggressiv und führt zu Ablehnung.

Um den Menschen eine echte Teilhabe zu ermöglichen, damit Sie nicht nur da sind, sondern auch dabei, sollte eine regelmäßige Vorsorge stattfinden, Hilfsmittel immer wieder angepasst werden und auf eine barrierefreie Umgebung geachtet werden.

 

Links:

https://www.beratungsstelle-barrierefreiheit.de/

https://schwerhoerigen-netz.de/oeffentlichkeitsarbeit/barrierefrei/

https://www.dbsv.org/

https://www.teilhabeberatung.de/