Am 24.02.2026 fand unser jährlicher Fachtag Demenz mit dem Titel „Demenz im jüngeren Lebensalter“ online statt
Der Fachtag stellte ein komplexes Thema aufklärend und sehr berührend aus unterschiedlichen Perspektiven dar.
Professorin Dr. Martina Roes vom DZNE Witten stellte die Studie „ FTD-Bayern-Versorgungssituation von Menschen mit Frontotemporaler Demenz und Weiterentwicklung bedarfsgerechter Versorgungsstrukturen in Bayern“ vor. Ihr sehr fundierter und verständlicher Vortrag zeigte die Nicht-Passung bestehender Versorgungssettings, welche meist auf ältere Menschen mit demenzieller Erkrankung ausgelegt sind, für die individuellen Bedürfnissen jung an Demenz erkrankter auf. Diese Lücken im Versorgungssystem zeigten sich u.a. im fehlendem Support nach der Diagnosestellung, Stigmatisierungen, sozialen Ausgrenzungen, finanziellen Herausforderungen und Belastungen für Familien und Paarbeziehungen. Die Studie formuliert hier 4 Handlungsempfehlungen, Fr. Dr. Roes ging hier im Speziellen zum Abschluss auf die Empfehlungen zu fachlichen und konzeptionellen Erfordernissen für Versorgungsstrukturen ein.
Im Anschluss stellte Dr. med. univ. Željko Uzelac, MD, Neurologie der Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm, die Therapieoptionen für Menschen mit früh einsetzender Demenz vor. Neben medikamentösen Möglichkeiten, perspektivischen Gentherapien und nicht-medikamentösen Möglichkeiten zur Symptombesserung (Bewegung, kognitive Stimulation, Umgebungsgestaltung und psychosoziale Interventionen), verdeutliche er den oft langen Weg zur Diagnosestellung, mögliche Differenzialdiagnosen und die Situation der Betroffenen.
Nach der Mittagspause erzählten uns Raimund Oberschmid, Betroffener und Buchautor, und seine Frau Sandra sehr berührend von Ihrem Leben: von der Odyssee der Diagnosestellung, Symptomen, aber v.a. Dingen auch von Ihrem familiären Zusammenhalt. Ihr unglaublicher Unterstützungswille füreinander, ihr Lebensmut und ihre Offenheit im Gespräch beeindruckte uns alle nachhaltig. Raimund möchte, dass Menschen mit FTD sich nicht schämen und bat pflegende Angehörige darum, deren Verhalten nicht persönlich zu nehmen. Sandra Oberschmid warb dafür jeden Tag situationsangepasst zu leben.
Zum Abschluss stellte uns Gisela Stagat, Caritas Sozialstation e.V. aus Neumarkt in der Oberpfalz, den offenen Treff für jung an Demenz erkrankte vor. Dieser findet jeden Dienstag von 8.00-13.30 Uhr statt. Frau Stagat beeindruckte uns mit Ihrer Kombination aus großer fachlicher Expertise als Gerontopsychiatrische Fachkraft und einer unglaublichen Leidenschaft für diese Gruppe. In der Gruppe bietet der Treff fachlichen und inhaltlichen Support, aber auch jede Menge Lebensfreude, Aktivitäten und Austausch. Wir waren beeindruckt von so viel Tatkraft und der gelungenen Mischung aus Unterstützung und Teilhabe.
Wir danken allen Referierenden für diesen lehrreichen Tag!