Die folgenden Punkte sollen Sie bei dem Projektaufbau unterstützen und als Leitfaden zum erfolgreichen Weg zur Anerkennung und Durchführung von Angeboten zur Unterstützung im Alltag dienen. Die Reihenfolge der Schritte kann bei unterschiedlichen Projekten variieren oder parallel stattfinden. Die Fachstelle für Demenz und Pflege Bayern unterstützt Sie gerne bei dem Projektaufbau.

Im Rahmen einer Bedarfsanalyse erfahren Sie welche Angebote bereits in Ihrer Region verortet sind. In Bayern gibt es Regionen, in denen es sehr viele Angebote gibt, in denen aber durchaus bestimmte Angebote fehlen (z.B. haushaltsnahe Dientsleistungen). Jedoch gibt es auch Regionen, in denen es gar keine oder nur wenige Angebote gibt. 

Zudem ist es sinnvoll, sich über andere Angebote (z.B. Tagespflege oder ambulante Pflegedienste) und über die Nachfrage bei anderen Anbietern von Angeboten zur Unterstützung im Alltag zu informieren.

Führen Sie Gespräche mit Multiplikatoren in Ihrer Region (z.B. Kommune, Ärzte, Fachstellen für pflegende Angehörige, Pflegestützpunkte, Wohlfahrtsverbände, ...), um herauszufinden, welches Angebot am sinnvollsten ist. Gleichzeitig finden Sie so Unterstützer für Ihre Idee.

Leitfragen:

  • Wie sieht die Angebotsstruktur in der Region aus?
  • Welches Angebot wird benötigt?
  • Wer kann Sie unterstützen? (Multiplikatoren und Kooperationspartner vor Ort)

Kennen Sie den Bedarf, dann sollten Sie sich für ein Angebot entscheiden. Die Erfahrung zeigt, dass es sinnvoll ist, zunächst mit dem Aufbau eines Angebots zu starten und weitere Angebotsformen nach und nach aufzubauen.

Bei manchen Angeboten kann es jedoch sinnvoll sein, zwei Angebote zeitgleich aufzubauen, z.B.eine Betreuungsgruppe parallel zur Angehörigengruppe.

Leitfragen:

  • Welche Angebote möchten Sie anbieten?
  • Welches Angebot möchten Sie als erstes aufbauen?   
  • Ist es sinnvoll mehrere Angebote zeitgleich aufzubauen?

Als nächsten Schritt sollten Sie ein Konzept für Ihr Angebot zur Unterstützung im Alltag erstellen. Das Konzept erleichtert die Suche nach einem Träger, da Sie klare Vorstellungen von dem haben, was Sie brauchen.

Ihr Konzept sollte auch Überlegungen zur Finanzierung des Angebots, der Höhe der Aufwandsentschädigung für ehrenamtliche Helfende und der Öffentlichkeitsarbeit beinhalten.

 Leitfragen:

  • Wie wollen Sie Ihr Angebot aufbauen? (Organisation, Struktur, Besonderheiten, Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt, …)

Um ein Angebot zur Unterstützung im Alltag aufbauen zu können, wird ein Träger benötigt. Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten. Als Träger kommen beispielsweise angeschlossen Träger von Wohlfahrtsverbänden, Fachstellen für pflegende Angehörige, Vereine, Nachbarschaftshilfen, Stiftungen, Kommunen, Mehrgenerationenhäuser und ambulante Pflegedienste in Frage. Der Träger muss sich das jeweilige Angebot zur Unterstützung im Alltag anerkennen lassen, damit eine Abrechnung über den Entlastungsbetrag (§ 45b SGB XI) möglich ist.

 Leitfragen:

  • Wer kommt als Träger in Frage?
  • Können Sie in der bisherigen Organisationsform die Trägerschaft übernehmen?
  • Welche Vorteile bringt Ihnen die Zusammenarbeit mit einem Träger? Welche Nachteile?
  • Wie soll die Zusammenarbeit aussehen?

Für den Aufbau und die Durchführung von Angeboten zur Unterstützung im Alltag ist es wichtig, eine geeignete Fachkraft mit psychiatrischer, gerontopsychiatrischer, sozialpädagogischer oder heilpädagogischer Erfahrung zu haben, die die Leitung übernimmt. Einen Überblick, welche Fachkräfte anerkannt werden, finden Sie unter Anerkennungsverfahren – Allgemein Anerkennungsvoraussetzungen. Es kann hilfreich sein, wenn die Fachkraft in der Region bereits bekannt und vernetzt ist.  

Leitfragen:

  • Welche Qualifikation benötigt die Fachkraft?
  • Wer ist als Fachkraft für Ihr Angebot geeignet?              
  • Haben Sie schon eine geeignete Fachkraft in Ihrem Team?

Beginnen Sie frühzeitig mit der Öffentlichkeitsarbeit, damit machen Sie auf Ihr geplantes Angebot aufmerksam und werben Ehrenamtliche und interessierte pflegende Angehörige. Hierzu können Sie Handzettel oder kurze Artikel beispielsweise für Ihr Gemeindeblatt erstellen. Machen Sie deutlich, warum Ihr Angebot wichtig für pflegende Angehörige ist und warum sich ehrenamtlich Interessierte bei Ihnen melden sollten.

Leitfragen:

  • Wie erreichen Sie die Betroffenen und die pflegenden Angehörigen?
  • Wie erreichen Sie ehrenamtlich Interessierte?
  • Wie wollen Sie das Projekt bewerben?

Ehrenamtlich Helfende können Sie z.B. über die lokale Presse, Kirchengemeinden, Freiwilligenagentur, usw. auf Ihr Angebot aufmerksam machen.  

Mit Ehrenamtlichen, die sich für einen Einsatz interessieren, führen Sie ein Erstgespräch.

Die interessierten ehrenamtlich Helfenden qualifizieren Sie mit einer Schulung nach dem Schulungskonzept zur Erbringung von Leistungen gemäß § 45a SGB XI  (40 UE à 45 Minuten).

WICHTIG: Bitte beachten Sie, dass Ihr Angebot erst beginnen kann, wenn die ehrenamtlich und/oder nicht ehrenamtlich Helfenden dieSchulung abgeschlossen haben. Vor der Teilnahme an den 40 Unterrichtseinheiten (UE) darf die Helferin oder der Helfer nicht eingesetzt werden. Es kann sinnvoll sein eine Vereinbarung mit den ehrenamtlich Helfenden zu schließen, in denen Sie die wichtigsten Punkte des Ehrenamts und der Aufgaben benennen.

Leitfragen:

  • Wer ist Ihre Zielgruppe? Wen wollen Sie als ehrenamtlich Helfende gewinnen?             
  • Wie wollen Sie die ehrenamtliche Helfenden gewinnen?
  • Was können Sie den ehrenamtlich Helfenden bieten? Warum sollten die Leute sich bei Ihnen engagieren?

Zum Ende der Vorbereitungsphase müssen Sie endgültig festzulegen, wie hoch ggf. die Aufwandsentschädigung für die ehrenamtlich Helfenden ist, wie die Rechnungsstellung abläuft, wie die ehrenamtlich Helfenden ihre Einsätze nachweisen, etc. 

Um einen Finanzierungsplan aufzustellen, können Sie den Ausgaben- und Finanzierungsplan des Förderantrags vom ZBFS als Grundlage nutzen.

Leitfragen:

  • Welche Ausgaben haben Sie? Welche Einnahmen haben Sie?                
  • Wie hoch sind die Aufwandsentschädigungen, die Kostenbeiträge, etc.?

Nutzen Sie, um Kunden zu finden, aktiv die Kontakte, die Sie zu Beginn aufgebaut haben.

Mit interessierten pflegenden Angehörigen führen Sie ein unverbindliches Informationsgespräch. Hilfreich ist es, wenn sich die Angehörigen dazu bereit erklären einen Biographie-Bogen für den Betroffenen auszufüllen. Erklären Sie das Angebot und den Ablauf genau und informieren Sie die pflegenden Angehörigen, ab wann das Angebot starten kann.

Vermitteln Sie, dass es sich um ein Angebot mit Ehrenamtlichen handelt, es keine bürokratischen Hürden für die Familien gibt und dass, das Angebot jederzeit wieder beendet werden kann.

 Leitfragen:

  • Wie können potentielle Kunden angesprochen werden?
  • Wer kann Sie bei der Werbung von Kunden unterstützen? (z.B. Presse, Kooperationspartner, etc.)

Die Erfahrung zeigt, dass es sich bewährt hat, eine öffentliche Auftaktveranstaltung zu organisieren. Laden Sie über Medien rechtzeitig dazu ein und laden Sie Multiplikatoren (z.B. Ärzte, Fachstellen für pflegende Angehörige, Politiker etc.) persönlich ein. Mögliche Themen für eine Auftaktveranstaltung sind beispielsweise Demenz, Entlastung von Angehörigen, Ablauf einer Betreuungsgruppe, etc.

Legen Sie eine Liste für interessierte Ehrenamtliche und für pflegende Angehörige aus, in die Kontaktdaten eintragen werden können.

Leitfragen:

  • Wofür kann die Auftaktveranstaltung genutzt werden?
  • Wer muss zur Auftaktveranstaltung eingeladen werden?

Ihr Projekt hat es nach der Aufbauphase endlich geschafft. Nun beginnt die tägliche Arbeit: Durchführung der Gruppen, Planung und Begleitung der Einsätze von ehrenamtlich Helfenden, Werbung neuer Kunden, etc.