Demenz was ist das?

Demenz ist der Oberbegriff für verschiedene Krankheitsformen, die unterschiedlich verlaufen, jedoch langfristig alle zum Verlust der geistigen und

gedächtnisbezogenen Leistungsfähigkeit führen und die Alltagskompetenz einschränken. Neben dem Nachlassen geistiger Fähigkeiten, kann es

auch zu einer Veränderung von Sozialverhalten, Persönlichkeit, Antrieb oder Stimmung kommen.

Bei der Diagnose einer Demenz richtet sich der Arzt nach den Vorgaben einer international gültigen Klassifikation von Krankheiten und

Gesundheitsproblem, der sogenannten "ICD-10" (International Classification of Diseases and Related Health Problems). Diese wird von der

Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben und definiert Demenz wie folgt:

1. Störungen des Gedächtnisses 

  • Gestörte Aufnahme und Wiedergabe neuer Informationen 
  • In späteren Stadien auch Verlust früherer Gedächtnisinhalte

2. Störungen des Denkvermögens

  • Beeinträchtigung der Fähigkeit des vernünftigen Urteilens
  • Verminderter Ideenfluss
  • Beeinträchtigung des Ideenflusses

3. Störungen der emotionalen Kontrolle

  • Gestörtes Sozialverhalten
  • Verminderte Motivation

Eine Demenzdiagnose kann nur dann gestellt werden, wenn die unter 1. und 2. genannten Einschränkungen zu einer wesentlichen Beein-

trächtigung der Alltagsaktivitäten (z.B. Einkaufen, Lesen, Selbstständigkeit) führen und länger als 6 Monate vorhanden sind.

 

 

Zahlen und Fakten

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat im April 2019 den "Gesundheitsreport Bayern: 2/2019 - Update Demenzerkrankungen" veröffentlicht. Darin werden aktuelle Zahlen für Bayern zum Thema "Demenz und Alter", "Häufigkeiten und Demenz" und "Unterstützung und Versorgung" bekannt gegeben.

Wir haben Ihnen die wichtigsten Informationen zusammengefasst.

Aktuell gibt es in Bayern ca. 240.000 Menschen mit Demenz über 65 Jahre (Deutschlandweit ca. 1,7 Mio.)

Bei gleichbleibendem Erkrankungsrisiko ist ein Anstieg der Zahl von Menschen mit Demenz in Bayern zu erwarten:

  • Bis 2026 auf ca. 290.000
  • Bis 2030 auf über 300.000
  • Bis 2036 auf ca. 340.000

Es sind mehr Frauen /ca. 2/3) als Männer von einer Demenz betroffen.

Die ärztliche Versorgung von Menschen mit Demenz erfolgt überwiegend durch niedergelassene Haus- und Fachärzte. Die Erstdiagnose Demenz wird fast ausschließlich in dem ambulanten Bereich gestellt und hier zu 2/3 vom Hausarzt.

In Bayern gibt es ca. 750.000 pflegende Angehörige (lt. GEDA-Studie). Über 70 % der pflegenden Angehörigen sind Frauen (lt. Bayerischer Demenz Survey).

Ca. 60 % der Menschen in Deutschland, die in einem Pflegeheim leben, haben eine Demenzdiagnose (Analyse der AOK-Versicherten, Schwinger et al. 2018). Auf stationär Pflegebedürftige ab 65 Jahren in Bayern übertragen wären dies ca. 60.000 Personen. Ungefähr die Hälfte der Demenzpatienten wird spätestens 1 Jahr nach Erstdiagnose stationär gepflegt.

Als Hauptdiagnose im Krankenhaus spielen Demenzerkrankungen kaum eine Rolle. In Bayern gab es 2017 4.963 stationäre Behandlungsfälle (2906 Alzheimer, 855 vaskuläre Demenz, 1202 nicht näher bezeichnete Demenzen).

Als Nebendiagnose (Komorbidität) im Krankenhaus, bei Behandlungen aus anderen Anlässen, spielen Demenzen dagegen eine wichtige Rolle, da die Behandlung durch die Demenz erschwert wird. In Bayern gab es 2017 mehr als 120.000 stationäre Fälle von über 65-Jährigen mit Nebendiagnose Demenz (entspricht ca. 10% aller vollstationären Fällen dieser Altersgruppe)

 

Übersicht: Menschen mit einer Demenz nach Regierungsbezirk

Regierungsbezirke

Schätzungen nach EuroCoDe

(Alter ab 65 Jahre)

Diagnosen bei GKV-Versicherten (KVB-Daten, alle Altersgruppen)

 

 

Absolut

Prozentual

Oberbayern

83.800

70.000

1,9 %

Niederbayern

23.000

26.200

2,6 %

Oberpfalz

20.500

21.800

2,4 %

Oberfranken

22.000

23.000

2,6 %

Mittelfranken

33.400

35.500

2,4 %

Unterfranken

26.000

24.600

2,2 %

Schwaben

35.600

30.300

2,0 %

 

Weitere Informationen finden Sie unter:

https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/gesundheitsberichterstattung/themen/index.htm. 

 

 

Risikofaktoren

Die Wissenschaft beschreibt eine Vielzahl von Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit, an einer Demenz zu erkranken, begünstigen können.

Die größte und bedeutendste Rolle spielt für alle Demenzerkrankungen, insbesondere für die Alzheimer-Krankheit, das Alter.

Erkrankungen, wie Schädel-Hirn-Traumata in der Vorgeschichte, Bluthochdruck, Diabetes, Herzrhythmusstörungen und Abweichungen des

Fettstoffwechsels sind ebenfalls als Negativeinflüsse beschrieben.

Ein niedriger Bildungsstand, Rauchen und ein verstärkter Alkoholkonsum sind weitere Faktoren, die das Auftreten einer Demenzerkrankung

begünstigen können.

Zudem spielen genetische Ursachen und ungesunde, fettreiche Ernährung und infolgedessen Übergewicht eine Rolle.

 

 

Erscheinungsformen einer Demenz

Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Demenz.

Ca. 90 % aller Demenzerkrankungen sind primärer Natur. Bei einer primären Demenz liegt die Ursache für die Erkrankung im Gehirn des Betroffenen.

Die Symptome werden nicht durch andere Einflussfaktoren, Erkrankungen oder Medikamente verursacht. Alzheimer Demenz, Vaskuläre Demenz,

Lewy-Körperchen Demenz oder Frontotemporale Demenz sind bekannte Erscheinungsformen. Primäre Demenzen sind bis dato nicht heilbar (irreversibel),

jedoch kann der Verlauf bei frühzeitiger Diagnose verlangsamt werden. 

Sekundäre Demenzen sind Folge anderer Krankheitsbilder, Vergiftungen oder Mangelzustände. Die Ursache liegt hier nicht direkt im Gehirn des

Betroffenen. Depressionen, Stoffwechselerkrankungen wie Schilddrüsenerkrankungen. aber auch Herzinsuffizienz, Vitaminmangel, chronische

Vergiftungszustände (z.B. Alkohol), Tumore oder Medikamente können Auslöser einer sekundären Demenz sein. Wenn die verursachende Erkrankung

rechtzeitig erkannt und behandelt wird, ist eine sekundäre Demenz zumindest teilweise reversibel (heilbar) oder eine Verlaufsbesserung möglich.

 

Alzheimer Krankheit

Alzheimer ist die bekannteste und am häufigsten vorkommende Demenzform (2/3 aller Fälle). Im alltäglichen Sprachgebrauch werden Alzheimer und

Demenz fälschlicherweise oft gleichbedeutend verwendet. 

Benannt wurde die Alzheimer-Demenz nach ihrem Entdecker, dem deutschen Psychiater Alois Alzheimer. Dieser fand 1906 die typischen Eiweißablager-

ungen im Gehirn seiner verstorbenen Patientin Auguste Deter. Die Patientin zeigte sich vor ihrem Tod auffallend vergesslich und verwirrt. 

Die Veränderungen im Gehirn von Alzheimer´s Patientin Auguste Deter sind auch heute noch eine wichtige Grundlage für die aktuelle Forschung. Weltweit

arbeiten Wissenschaftler daran, die Krankheit zu erforschen und zu behandeln. Heilbar ist Alzheimer bis dato nicht. Bei frühzeitiger Diagnose ist aber eine

Verlangsamung des Krankheitsverlaufs möglich.

Die Alzheimer-Erkrankung ist sehr komplex. Die Frage danach, wie sie entsteht ist auch nach jahrzehntelanger Forschung noch nicht ausreichend geklärt. 

Charakteristisch sind zwei verschiedene Eiweißablagerungen im Gehirn, die sogenannten Beta-Amyloid-Plaques und die Tau-Fibrillen. Durch diese Ablager-

ungen wird die Kommunikation in und zwischen den Nervenzellen im Gehirn gestört. Dies führt zu einem Funktionsverlust, Schrumpfen oder Absterben von

Nervenzellen und Nervenzellverbindungen. Betroffen sind vor allem die Bereiche der Großhirnrinde und des Hippocampus. Diese Hirnregion ist für das Gedächt-

nis, das Denken, die Sprache und die Orientierung zuständig.

Ein langsamer, schleichender, fast unmerklicher Beginn und ein stetiger, fortschreitender Verlauf sind charakteristisch. Die Verlaufsgeschwindigkeit ist dabei sehr

unterschiedlich. Die allgemein gängiege Verlaufsbeschreibung einer Demenz orientiert sich an der Alzheimer-Erkrankung, für die 3 Stadien im Verlauf charakteristisch

sind. 

Folgende Verhaltensweisen können Hinweis auf eine Alzheimer-Erkrankung sein:

  • Nichts Neues Lernen können
  • Gegenstände verlieren
  • Immer die gleichen Fragen stellen
  • Dieselben Geschichten erzählen
  • Keine Fragen über jüngste Ereignisse beantworten können
  • Rascher Stimmungswechsel
  • Desorientierung hinsichtlich neuer Personen
  • Sich in unbekannter Umgebung verirren
  • Desorientierung hinsichtlich der Zeit
  • Rasch den Faden verlieren

 

Vaskuläre Demenz

Die zweithäufigste Demenzform nach der Alzheimer Erkrankung ist die vaskuläre Demenz. Vaskulär bedeutet so viel wie "gefäßbedingt", "durchblutungsbedingt"

oder "die Blutgefäße betreffend". Die vaskuläre Demenz ist somit der Oberbegriff für solche Formen der Demenz, die durch Durchblutungsstörungen im Gehirn

ausgelöst werden. Es gibt verschiedene Ursachen für diese Durchblutungsstörungen.

Eine vaskuläre Demenz entsteht durch eine gestörte Blut- und Sauerstoffversorgung des Hirngewebes. Gehirnzellen erhalten zu wenig sauerstoffreiches Blut

und nehmen dadurch Schaden oder sterben gänzlich ab.

Ursächlich für die Durchblutungsstörungen im Gehirn sind meist Ablagerungen in den Blutgefäßen (Arteriosklerose). Je nach Art und Stärke der Durchblutungs

störungen werden verschiedene Arten vaskulärer Demenz unterschieden. Die Stärke der Demenzerkrankungen hängt vom Ausmaß der Durchblutungsstörung ab.

Typisches Kennzeichen einer vaskulären Demenz ist, im Gegensatz zur Alzheimer Demenz, ein plötzlicher Beginn und ein stufenhafter Verlauf. In der Regel liegt

der Beginn auch in einem zeitlichen Zusammenhang mit einem Schlaganfall. 

Eine vaskuläre Demenz kann sich aber auch schleichend entwickeln, je nach Anzahl und Stärke der Hirnschläge und der betroffenen Hirnregion. 

Auch die Symptome sind stark abhängig davon, in welcher Hirnregion und wie stark die Hirnschläge sich ereignen. Mall kann das Sprach-, das Seh- oder das Be-

wegungszentrum betroffen sein, mal das Lang- bzw. Kurzzeitgedächtnis oder der Orientierungssinn.

Typisch ist das plötzliche Auftreten der Symptome in Form eines Schlaganfalls. Das Auftreten und die Stärke der Symptome können von Tag zu Tag schwanken.

Entgegen der Alzheimer Erkrankung entwickelt sich eine vaskuläre Demenz meist in Sprüngen, die von langen stabilen Phasen unterbrochen sein können. In einem

fortgeschrittenen Stadium lässt sich eine vaskuläre Demenz nicht mehr von einer Alzheimer Demenz unterscheiden.

Die bekanntesten Formen sind:

Morbus Binswanger

Diese Form wurde zum ersten Mal von dem deutschen Nervenarzt Otto Ludwig Binswanger beschrieben. Ursächlich ist eine Wandverdickung in kleinen Blutgefäßen

im Gehirn (Arteriosklerose), die die tiefen Hirnstrukturen mit Blut versorgen. Dadurch werden kleine Hirninfarkte und eine Schädigung von Nervenfasern bewirkt. Die

Störung der Gedächtnisleistung setzt meist schleichend ein. Ein langsamer, fortschreitender Verlauf ist charakteristisch. Im Frühstadium zeigen sich meist körperliche

Symptome wie Sprachstörungen, Gangauffälligkeiten oder eine Sturzneigung.

Multiinfarkt-Demenz

Eine Multiinfarkt-Demenz beginnt meist plötzlich. Sie entsteht durch mehrere Hirninfarkte, die gleichzeitig oder zeitlich auftreten. Diese Hirninfarkte lassen Nervenzell-

gewebe im Gehirn absterben. Eine Multiinfarkt-Demenz schreitet meist stufenweise fort. Die Symptome sind ähnlich wie bei der Alzheimer Demenz. Zusätzlich können

aber auch körperliche Störungen wie Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühl auftreten.

 

Um eine Diagnose stellen zu können sind einige Untersuchungsmethoden nötig. Zunächst ist die persönliche Krankengeschichte der Patientin/des Patienten zu beachten.

Dabei muss besonderes Augenmerk auf Medikamente, Blutdruck, Diabetes und Herzerkrankungen gelegt werden. Auch Beobachtungen von Angehörigen sind in diesem

Zusammenhang wichtig.

Eine körperliche Untersuchung bringt Aufschluss über mögliche Ausfallerscheinungen (z.B. Lähmungserscheinungen, Sensibilitätsstörungen, Bewegungskoordination).

Verschiedene Testverfahren, bei denen Fragen beantwortet oder Aufgaben gelöst werden müssen, sind ebenfalls wichtig für den diagnostischen Prozess. Auch Laborunter-

suchungen, bildgebende Verfahren, Messungen des Blutdrucks, der Hirnströme und der Herztätigkeit sind Teil des Diagnoseverfahrens.

Die Behandlung einer vaskulären Demenz zielt vor allem darauf ab, Risikofaktoren zu minimieren, Erhöhter Blutdruck muss behandelt werden, Fett- und Zuckerwerte im

Blut sollten durch die Gabe von Medikamenten optimal eingestellt werden. Auch nichtmedikamentöse Maßnahmen wie regelmäßige Bewegung und gesunde Ernährung

spielen eine Rolle. Je nach Krankheitsbild wird mit Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Musiktherapie, Psychotherapie oder Gedächtnistraining ergänzt.

 

 

Lewy-Körperchen-Demenz

Die Lewy-Körperchen-Demenz (auch Lewy-Körper-Demenz oder Lewy-Body-Demenz) wurde nach dem deutschen Nervenarzt Friedrich H. Lewy benannt. Lewy-Körperchen

sind kleine Eiweißreste, die bei diesem Erkrankungsbild unter Großhirnrinde auftreten. Eine Lewy-Körperchen Demenz entsteht meist erst bei Menschen über 60 Jahren.

Sie kann allein oder als Begleiterkrankung einer Parkinson Erkrankung auftreten.

Die Lewy-Körperchen-Demenz wird durch kleine, runde Eiweißreste, die sogenannten Lewy-Körperchen, in den Nervenzellen der Großhirnrinde ausgelöst.

Die Großhirnrinde ist u.a. für die Wahrnehmung, Sprache und Denkvorgänge verantwortlich. Wie es letztlich zu der Bildung von Lewy-Körperchen kommt oder was das Auf-

treten begünstigt, ist bislang nicht bekannt. Die Lewy-Körperchen bewirken das Absterben von Nervenzellen.

Für die Lewy-Körperchen-Demenz sind bislang keine expliziten, typischen Risikofaktoren bekannt.

Eines der charakteristischen Merkmale der Lewy-Körperchen-Demenz ist eine extrem stark schwankende körperliche und geistige Verfassung. Mal ist der Betroffene unter-

nehmungslustig, mal orientierungslos und verwirrt. Die Zustände können ständig wechseln. Häufig kann es auch dazu kommen, dass der Betroffene sein Bewusstsein verliert.

Typisch für das Krankheitsbild sind optische und akustische Halluzinationen. Diese treten schon früh im Krankheitsverlauf auf. Dabei werden häufig Menschen oder Tiere ge-

sehen, die nicht da sind oder Stimmen, Geräusche oder Musik gehört, obwohl keine da sind. Menschen mit Lewy-Body-Demenz neigen aufgrund von Bewegungsstörungen

(Parkinson-Symptomatik: Muskelsteifigkeit, Zittern der Hände, verlangsamte Bewegungen, gestörtes Gangbild) öfter zu Stürzen.

Es kann auch zu Schlafstörungen und Verhaltensstörungen im Traumschlaf (im Schlaf sprechen, schreien oder sich bewegen) kommen. Nicht selten wird eine Lewy-Körperchen-

Demenz auch von einer depressiven Symptomatik begleitet.

Das Gedächtnis bleibt bei dieser Demenz-Form in der Regel länger erhalten als bei der Alzheimer Demenz. Eine Lewy-Körperchen-Demenz verläuft äußerst unterschiedlich, wobei die

durchschnittliche Lebenserwartung nach Diagnosestellung 7-8 Jahre beträgt. Die Betroffenen verlieren, wie bei anderen Demenzformen, mit der Zeit, die Fähigkeit, sich im alltäglichen

Leben zurecht zu finden. Sie werden durch ihre Bewegungseinschränkungen und die Sturzgefahr zunächst immobil, dann bettlägerig. Typisch für das Endstadium sind Schluck-

beschwerden. Zum Tode führt dann häufig eine Lungenentzündung.

Eine Diagnosestellung ist schwierig, da viele Symptome auf andere Erkrankungen wie Alzheimer Demenz oder Parkinson hindeuten und die für diese Erkrankung typischen Lewy-

Körperchen erst nach dem Tod des Betroffenen nachweisbar sind. Vor allem die typische Symptomatik und der Ausschluss anderer Demenzen sind dabei zielführend. Wichtig ist,

die starken Schwankungen der Verfassung des Betroffenen und die psychischen Auffälligkeiten, wie z.B. Halluzinationen, im Blick zu haben.

Es gibt - wie bei vielen anderen Demenzerkrankungen auch - bisher keine Behandlungsmöglichkeiten, die eine Lewy-Körperchen-Demenz aufhalten bzw. heilen kann. Die Therapie

ist darauf ausgelegt, die Symptome zu lindern.

Eine medikamentöse Therapie gestaltet sich bei einer Lewy-Körperchen-Demenz sehr schwierig. Neuroleptika und Antipsychotika, die vor allem gegen die Symptome wie Angst,

Aggression oder Wahnideen helfen, werden von den Betroffenen schlecht vertragen oder sind zur Behandlung der Lewy-Körperchen-Demenz nicht geeignet. Gegen Halluzinationen,

Verwirrtheit und Verhaltensstörungen gibt es dagegen Medikamente (sog. Cholinesterasehemmer), die sich mit positiver Wirkung gezeigt haben.

Wichtig ist eine nicht-medikamentöse Therapie, u.a. mit kognitivem Training, Bewegung, Sport, gesunde, mediterrane Ernährung, Gedächtnistraining. Dabei muss man darauf achten,

übermäßige Sinnenstimulation zu vermeiden, da Menschen mit Lewy-Körperchen-Demenz äußerst sensibel auf ihre Umwelt und v.a. auf stressige Situationen reagieren.

 

Frontotemporale Demenz

Die Frontotemporale Demenz, auch bekannt als "Morbus Pick", ist eine seltene Form der Demenz. Sie bezeichnet eine Erkrankung des Stirn- und Schläfenlappens im Gehirn, durch die

eine starke Persönlichkeitsveränderung verursacht wird. Sie unterscheidet sich stark von den meisten anderen Formen und tritt meist schon in jüngeren Jahren auf. 

Bei einer frontotemporalen Demenz kommt es zu einer Veränderung des Vorderhirnbereichs (Stirn-/Frontallappen). Dieser Bereich des Gehirns ist für die Emotionen und das Sozialverhalten

zuständig. Wie diese Veränderung entsteht, ist noch nicht ausreichend bekannt.

Das Hauptkennzeichen der frontotemporalen Demenz ist eine deutliche Veränderung der Persönlichkeit und des Verhaltens des Betroffenen. Dies äußert sich z.B. in einem gestörten und

taktlosen, teilweise aggressiven Sozialverhalten. Die Erkrankten nehmen keine Rücksicht auf gesellschaftliche Normen oder ein freundliches Miteinander, sondern äußern hemmungslos

ihre Meinung. Die Veränderungen sind teilweise so stark, dass die Angehörigen den Betroffenen nicht wiedererkennen, Ebenfalls charakteristisch ist eine fehlende Krankheitseinsicht.

Während Menschen mit einer Alzheimer Demenz in der Regel eine hohe Bereitschaft zur Therapie zeigen, wirken Menschen, die von einer frontotemporalen Demenz betroffen sind,

meist nicht motiviert und teilnahmslos. Weitere Erkennungszeichen können eine maßlose Ernährung, eine sexuelle Unbeherrschtheit und Schlafstörungen sein. Typisch sind auch

parkinsonähnliche Symptome wie eine "nach vorne gebeugte Haltung" und langsame Bewegungen. Störungen der Sprache treten in den Unterformen der frontotemporalen Demenz auf.

Die Betroffenen sprechen Wörter falsch aus, haben Wortfindungsstörungen oder vergessen die Bedeutung der Wörter. Es kann auch im Verlauf dazu kommen, dass der Betroffene

bekannte Gesichter nicht mehr erkennen oder zuordnen kann. Im fortgeschrittenen Stadium entwickeln viele Patienten eine Inkontinenz. Die frontotemporale Demenz unterscheidet sich

deswegen so stark von den anderen Demenzformen, weil die Verhaltensstörungen zeitlich deutlich vor den Gedächtnis- und Orientierungsstörungen auftreten. Erst im fortgeschrittenen

Stadium zeigen sich Ähnlichkeiten mit einer Alzheimer-Symptomatik. Es kommt dabei zum Verlust der Selbstständigkeit und im weiteren Verlauf zur Bettlägerigkeit.

Da die Verhaltensstörungen im Anfangsstadium dieser Demenzform im Vordergrund stehen, ist eine genaue Diagnostik schwierig. Die Symptome werden oft fehlgedeutet und mit

psychischen Störungen wie Psychosen oder Schizophrenie, Depression oder Burn-out-Syndrom verwechselt.

Neben Tests des Gedächtnisses, der Sprache und des Denkvermögens und einer spezifischen Bildgebung, ist vor allem ein Angehörigeninterview sehr wichtig. Die Verhaltensauffälligkeiten

müssen ausführlich berichtet werden, denn auffallende und ungewohnte Handlungen sind wichtige Hinweise. Es gibt auch einen Demenztest, der eigens für die Diagnostik bei Verdacht auf

Frontotemporale Demenz entwickelt wurde (Frontal Behavorial Inventory).

Da die genauen Ursachen der Erkrankung noch nicht ausreichend bekannt sind und somit auch nicht beeinflussbar, gibt es noch keine gezielte Therapie. Die Therapie ist darauf ausgelegt,

die Symptome zu lindern. So können z.B. auffällige Verhaltensweisen medikamentös (Antidepressiva, Neuroleptika) behandelt werden. In nicht-medikamentösen Therapieformen versucht

man bspw. Aggressionen durch verstärkte Bewegung (Wandern, Sport) entgegenzuwirken oder Rückzugstendenzen durch behutsame Aktivierung. Wichtig ist bei dienen Therapieansätzen,

immer auf die Individualität des einzelnen Betroffenen einzugehen.

 

Eine detailliertere Beschreibung der einzelnen Krankheitsbilder, insbesondere Alzheimer, Vaskuläre Demenz, Lewy-Körperchen-Demenz und Frontotemporale Demenz entnehmen Sie dieser

Seite in Kürze.

 

 

Verlauf

Leichte Demenz

Im Anfangsstadium können die Betroffenen noch weitgehend selbstständig leben. Die Kennzeichen einer leichtgradigen Demenz sind u.a. eine reduzierte Merkfähigkeit (z.B. Gegenstände verlegen) oder eine nachlassende Leistungsfähigkeit im Berufs- und Privatleben (z.B. Termine vergessen). Eine nachlassende Orientierung, v.a. in unbekannter Umgebung, oder Wortfindungsstörungen sind ebenfalls charakteristisch für dieses Stadium. Erkennbar werden die Einschränkungen teilweise nur in intensiveren Gesprächen. Ein Unterstützungsbedarf zeigt sich v.a. bei anspruchsvolleren Tätigkeiten.

Mittlere Demenz

In diesem Stadium ist die selbstständige Lebensführung sehr stark eingeschränkt. Bei einer mittelschweren Demenz zeigt sich beim Betroffenen schon bei einfachen Tätigkeiten und in der Selbstversorgung Unterstützungsbedarf. Der Betroffene hat Probleme bei der Kleiderauswahl oder beim Einkaufen. Er vergisst oder vernachlässigt die Körperhygiene und ist bei alltäglichen Tätigkeiten auf Hilfe angewiesen. Auch psychische Symptome sind in diesem Stadium weit verbreitet (z.B. Angst, Wahn). Der Betroffene zeigt ebenso sprachliche Auffälligkeiten, z.B. verwendet er die falsche Wortwahl.

Schwere Demenz

Eine selbstständige Lebensführung ist nicht mehr möglich. Bei einer schweren Demenz zeigen sich deutliche Einschränkungen in der Selbstständigkeit, der Betroffene kann sich z.B. nicht mehr alleine waschen oder ankleiden. Oft tritt eine Inkontinenz auf. Typisch für dieses Stadium sind auch Verhaltensstörungen. Es zeigen sich Sprachverlust und Gangstörungen und es kommt im Verlauf zu einer Bettlägerigkeit. Unterstützungsbedarf ist bei allen Tätigkeiten notwendig.

 

 

Prävention

Der derzeitige wissenschaftliche Erkenntnisstand deutet auf Verhaltensweisen und Lebensgewohnheiten hin, die das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, verringern können.

Ein aktiver Lebensstil, im Sinne von körperlicher Betätigung (z.B. Laufen, Walken, Tanzen), geistiger Regsamkeit und intensiven sozialen Kontakten wirkt sich in diesem Zusammenhang positiv aus.

Man sollte auf eine gesunde, mediterrane Ernährung (z.B. Fischöl, Grüner Tee) achten und Vitamin- und Hormonmängel korrigieren.

Empfohlen wird zudem auch auf das Rauchen und einen übermäßigen Alkoholkonsum zu verzichten.

Wichtig ist auch eine regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks, um frühzeitig Unregelmäßigkeiten behandeln zu können.

Stress und Sorgen sollten möglichst reduziert werden.

 

 

Diagnostik

Erster Ansprechpartner bei einem Demenzverdacht ist in der Regel der Hausarzt. Dieser wird den Betroffenen zur weiteren Abklärung an einen Facharzt (Neurologen,

Nervenarzt, Psychiater, Gedächtnisambulanz) überweisen.

Die genaue Diagnostik ist dann eine multiprofessionelle Aufgabe.

 

 

Therapie einer Demenzerkrankung

Die Heilung einer Demenzerkrankung ist derzeit nicht möglich.

Die Ziele einer Therapie sind neben Stabilisierung bzw. Verlangsamung der Erkrankung, eine Verminderung der Begleitsymptome, die Entlastung und Unterstützung der Angehörigen bzw. Pflegenden, eine Sicherung des Hilfesystems, die Verzögerung einer Heimaufnahme sowie Kostenersparnisse durch Reduktion des Pflegeaufwandes.

Man unterscheidet zwischen medikamentöser und nichtmedikamentöser Therapie.

 

Medikamentöse Therapie

Ziele einer medikamentösen Therapie sind die Stabilisierung der geistigen Leistungsfähigkeit, Alltagsbewältigung, die Milderung von Verhaltensstörungen und die Verhinderung weiterer Schädigungen des Gehirns.

Eingesetzt werden Acetylcholinersterase-Hemmer (Donepezil, Galantamin, Rivastigmin) und Memantin.

Gegen Verhaltensänderungen und psychische Störungen kommen Neuroleptika und Antidepressiva eingesetzt. Hierbei müssen die teilweise starken Nebenwirkungen berücksichtigt werden.

 

Nichtmedikamentöse Therapie

Es gibt eine Vielzahl an Therapieformen, Einzelberichten, Alltagskonzepten und Individualtherapien.

Beispiele hierfür sind:

  • Gedächtnistraining
  • Ergotherapie
  • Logopädie
  • Physiotherapie
  • Verhaltenstherapie
  • Musiktherapie
  • Kunsttherapie
  • Körperbezogene Therapie
  • Erinnerungstherapie
  • Milieutherapie
  • Wertschätzender Umgang
  • Unterstützung und Entlastung der Angehörigen